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Die Entstehung

Der Bassinplatz in Potsdam

Der Bassinplatz in Potsdam liegt nördlich der Altstadt und ist der größte der drei barocken Stadtplätze Potsdams. Im Gegensatz zur Potsdamer Altstadt wurde der Bassinplatz während des Zweiten Weltkrieges nur wenig zerstört. Während seiner über 250 jährigen Geschichte hat er mehrfach seine Gestalt verändert. Im Jahr 1979 wurde der Platz nach dem Denkmalrecht der DDR als Flächendenkmal geschützt. Im Jahr 1992 wurde das Gebiet rund um den Bassinplatz mit dem Schwerpunkt Holländisches Viertel durch eine Satzung zum ersten Sanierungsgebiet in Potsdam erklärt (Bohle-Heintzenberg, 2002).

Die städtebauliche Entstehung des Bassinplatzes

Die Planungen des Soldatenkönigs, Friedrich Wilhelm I. (1713-1740), hatten in erster Linie die Stadterweiterungen Potsdams zum Ziel. Im Jahr 1721 begann er damit, Potsdam zur Garnison- und Immediatstadt auszubauen (immediat: dem Staatsoberhaupt unterstehend). Nach der ersten Barocken Stadterweiterung (1721 bis 1725) folgte 1733 die zweite Barocke Stadterweiterung. Es handelte sich dabei um das Gebiet nördlich der Altstadt von der Charlottenstraße im Süden bis zur Hegelallee und zur Kurfürstenstraße im Norden, einschließlich des Bassinplatzes. Die westliche Begrenzung stellte die Schopenhauerstraße, die östliche die Hebbelstraße dar (Bohle-Heintzenberg, 2002). Die zweite Stadterweiterung war 1740, im Todesjahr des Soldatenkönigs, noch nicht abgeschlossen. Erst sein Sohn, Friedrich II. hat die Arbeiten vollenden lassen.

Mit den Stadterweiterungen wollte der Soldatenkönig neue Wohnquartiere für die steigende Bevölkerung bereitstellen; sein Hauptziel bestand jedoch in der Schaffung neuer Unterkünfte für das Militär und neuer Wohnräume und Arbeitsstätten für Handwerker, die zur Versorgung des wachsenden Heeres benötigt und daher nach Potsdam geholt wurden. Friedrich II setzte andere Schwerpunkte als sein Vater. Er sah im Ausbau von Potsdam nicht vorrangig die Stadterweiterung, sondern die Stadtverschönerung (Bohle-Heintzenberg, 2002). Sein Ziel war es, eine repräsentative Barockstadt mit palastartigen Fassaden zu schaffen, möglichst nach französischen oder italienischen Vorbildern. Die sogenannte friderizianische Architektur bekam etwas kulissenhaftes, die Effekte waren für Friedrich II. wichtiger als die Verbesserung der Wohnverhältnisse.

Luftaufnahme vom Bassinplatz und dem Holländischen Viertel
Luftaufnahme vom Bassinplatz und dem Holländischen Viertel

Die Geschichte des Bassinplatzes

„Das Bassin“ ist mit der Zweiten Barocken Stadterweiterung entstanden. Wie das Holländische Viertel gehörte das Gebiet des heutigen Bassinplatzes einst zum Witam, einem großen Sumpfgebiet, das bis zum Heiligen See reichte. Mit der Errichtung des Holländischen Viertels (unten im Foto) wurde der davon südlich liegende Teil des Gebietes in den Jahren 1737-1739 zum „Holländischen Bassin“ gestaltet. Es sollte das Wasser des umliegenden Sumpfgebietes sammeln. Das Becken wurde mit einer Mauer eingefasst und war durch offene Gräben mit dem Heiligen See und unterirdisch mit dem Stadtkanal verbunden. In der Platzmitte wurde auf einer kleinen Insel ein kleiner Pavillon (Gloriette) nach holländischer Art angelegt (roter Backstein mit geschweifter Kuppel). Im Winter wurde das Bassin zum Schlitten- und Schlittschuhfahren benutzt.

Im Jahr 1771 drohte das Bassin wegen des schlechten Abflusses zu versumpfen. Daher ließ Friedrich II. das Becken vollständig reinigen, Mauerwerk einfassen und mit einem Geländer versehen. Im Anschluss daran begann man 1773 an der West- und der Südseite des Platzes mit der Umgestaltung der Randbauten Bohle-Heintzenberg, 2002). In dieser Zeit entstanden an der Westseite des Platzes die Häuserzeile „Am Bassin“, die eine deutliche Beziehung zu der holländischen Architektur aufweist.

Doch durch die Abwässer der Häuser drohte eine erneute Verschlammung des Bassins. Daher begann man im Jahr 1825 mit der Zuschüttung des Wasserbeckens. Nach dem „Verschönerungsplan zu dem Bassinplatz in Potsdam“ (1838) von Lenné hatte das Bassin schließlich eine blasenförmige nach Osten geöffnete Form erhalten. In den Jahren 1867-1869 wurde von den Architekten Salzenberg und Stühler auf dem Bassinplatz die katholische Kirche St. Peter und Paul nach dem Vorbild von St. Zeno in Verona gebaut. Nach 1875 schüttete man den restlichen Teil des Bassins zu, da es wegen einer Typhusepidemie gesundheitliche Bedenken gegen das versumpfte Bassin gab. Nach 1945 wurde die von den Nationalsozialisten glorifizierte Gloriette des Soldatenkönigs abgetragen und stattdessen im Jahr 1949 ein sowjetischer Ehrenfriedhof errichtet (Bohle-Heintzenberg, 2002). Heute wird das Bild des Bassinplatzes auch durch den Busbahnhof und den Marktplatz geprägt (siehe Foto).

Der Bassinplatz

[von Dr. H. Kremer, publiziert in
„Der Bassinplatz – Ein Kampf mit dem Wasser“, Horizonte, 2007]

So sitze ich nun bei kaltem Wetter auf einer Bank auf dem größten Platz der Stadt, fast vier Fußballfelder groß.

Seine Geschichte beginnt vor 250 Jahren, im Zuge der zweiten barocken Stadterweiterung durch den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I.
Es mussten damals weitere Areale der Stadt trockengelegt bzw. drainiert werden. So entstand dieser Teich, fast schon ein kleiner See. Auch andere Plätze in Potsdam verdanken ja ihre Entstehung einem feuchten und sumpfigen Untergrund. Die Geschichte des Platzes setzt sich fort mit der Randbebauung nach französischen, holländischen und italienischen Vorbildern.

Später, 1875, wird das Wasser dann ganz verschwinden zugunsten eines „Platzes“. Es werden im Laufe der Zeit zwei Kirchen erbaut, später die Halle eines riesigen Busbahnhofs. Die damalige Trockenlegung des sumpfigen Stadtbezirks ließ das „Bassin“ als Auffangbecken entstehen, zusammen mit der Ableitung durch den Behlertgraben in den Heiligensee und einer weiteren in den Stadtkanal. Dies war die Voraussetzung zur Errichtung des Holländischen Viertels an der Nordseite. Die West- und Südseite des großen Rechtecks ließ der König dann mit den Typenhäusern der zweiten Stadterweiterung einfassen. Im Osten begrenzte die Stadtmauer das Areal. Mein Blick geht hinüber zum Sowjetischen Ehrenfriedhof hinter der Kirche „St. Peter und Paul“. Er wurde 1946 angelegt, über dreihundert Tote liegen dort, jedes Grab mit einem Stein und einem Pflanzbett. Sie fielen im Kampf um Potsdam irgendwo in der Stadt, kurz vor dem Ende des Krieges. Ein Obelisk erhebt sich in der Mitte, das Symbol der Ewigkeit…
Obelisk auf dem Bassinplatz in Potsdam
Obelisk auf dem Bassinplatz in Potsdam

An dieser Stelle also stand die Gloriette, die Georg Hermann, der Potsdamer Chronist vor einem dreiviertel Jahrhundert noch sah. Ein kleiner Ziegelbau mit geschweiftem Dach und einer Laterne obenauf, mitten in dem großen ovalen Becken, das wegen seines geschweiften Randes einst „Bratenschüssel“ getauft wurde. Es gibt die Legende, dass besagter Soldatenkönig in der Gloriette sein Tabakskollegium abgehalten habe. Aber das stimmt wohl nicht ganz. Johann Boumann, der Ältere, ein Holländer aus Amsterdam, soll das Häuschen gebaut haben.

Kirche St. Peter und Paul auf dem Bassinplatz in Potsdam
Kirche St. Peter und Paul auf dem Bassinplatz in Potsdam

Ein Mann, „der sich die Architektur angewöhnte“, wie Georg Hermann schreibt. “Es fehlte ihm der Funke“, setzt er noch hinzu; aber Kunststück, wenn er ihn ausgerechnet mit v. Knobelsdorf vergleicht, der nicht nur Schloss Sanssouci entwarf, sondern auch die Französische Kirche an der Südost-Ecke des Platzes. Diese scheint nicht für diesen Platz gemacht zu sein. Ihre vornehme Tempelfront wendet sich ab, der Französischen Straße zu. Der 1753 fertig gestellte Rundbau mit seiner Kuppel aus Kupferblech wurde nach dem Vorbild des Pantheon in Rom entworfen, allerdings ein paar Nummern kleiner. Vor die hellen Putzmauern dieses „Pantheons“ schieben sich heute die Baumkronen des Soldatenfriedhofs und vor allem das mächtige Ziegelmassiv von St. Peter und Paul. Diese katholische Kirche wurde 1867 von Stühler und Salzenberg nach dem Vorbild von Sankt Zeno in Verona erbaut. Sie gibt dem Blick einen Halt- und Ruhepunkt.

Französische Kirche auf dem Bassinplatz in Potsdam
Französische Kirche auf dem Bassinplatz in Potsdam

Auch dieser Bau ist eine Pfahlgründung, wie fast alle anderen Gebäude hier. Doch zurück zu Johann Boumann. Dieser leitete den Bau des Holländischen Viertels auf der Nordseite des Platzes. 1742, nach acht Jahren Bauzeit, war es dann endlich fertig. Der Soldatenkönig hat dies nicht mehr erlebt.
134 schmucke Ziegelhäuser mit und ohne geschweiften Giebeln, hölzernen Portaldekorationen, grün und weiß bemalten Fensterläden, standen sie bereit für die holländischen Handwerker, die der König anwerben ließ. Er brauchte sie dringend für die Melioration von Stadt und Umland Obwohl sie mancherlei Privilegien erhielten, fanden sich dennoch kaum zwei Dutzend Familien ein. So verschenkte er einen Großteil der Häuser an die Grenadiere seines Leibregiments. Es wird schon ein schönes Bild gewesen sein, als sich die roten Ziegelfassaden mit ihren weißen Fugen im Wasser des Bassins spiegelten. Jedoch nicht lange, dann verlandete das Becken wegen des schlechten Abflusses immer mehr. Es bildeten sich Schilfgürtel, in denen Blesshühner nisteten und Frösche quakten. Ein Biotop mitten in der Stadt, das jedoch brackig wurde und „üblen Dunst“ verbreitete.

Nach dem Siebenjährigen Krieg ließ Friedrich der Große das Bassin reinigen, es mit einer Sandsteinmauer und einem Geländer umfassen. Weiter veranlasste er, die Häuser an der Süd-Seite abzubrechen und durch größere zu ersetzen, mit repräsentativen Fassaden aus der spätbarocken Formensprache italienischer und französischer Stadtpaläste. Die Architekten Carl von Gontard und Christian Unger, beide zuvor am Hof von Bayreuth tätig, waren für Entwürfe und Durchführung zuständig. So entstanden am Bassin, wie in vielen anderen Straßen der Stadt, jene verkleinerten Palast-Kopien, die für das Auge eine Lust, für die Bewohner mitunter eine Last waren, zumindest, wenn sie sich in den niederen Zwischengeschossen wiederfanden. Unser Autor Georg Hermann hat sie noch gekannt, diese prachtvollen Häuser der Südseite. Das schönste unter ihnen hat Carl v. Gontard nach dem Vorbild des Palazzo Salviati in Rom entworfen. Diese ganze Häuserzeile fiel 1945 den Bomben zum Opfer. Ich lese weiter bei G. Hermann „Hier am Bassin stehen noch ein paar schöne Fassaden italienischer Patenschaft, aber sie sind uns im Augenblick nicht so nah mehr, weil uns die Brücke zur Gegenwart fehlt“. Die Brücke zur Gegenwart !… Er konnte nicht ahnen, wie sehr uns eines Tages noch diese Brücke fehlen würde. Wie sehr wir die Brücken im Kopf bauen müssen, um uns in nicht mehr existente Straßen und Plätze hineinzuversetzen! An der West-Seite endlich wurden die bestehenden Typenhäuser durch Friedrich den Großen ebenfalls abgebrochen, die Fundamente neu gegründet. Diesmal entwarf von Gontard dreigeschossige giebelgeschmückte Backsteinbauten mit deutlichen Anklängen an die Amsterdamer Architektur des 17.Jahrhunderts. Nirgendwo in Potsdam oder Berlin gibt es sonst Bauten dieses „Stils“. Friedrich II hat hier wohl das Faible seines Vaters für Holland aufgegriffen und so den Übergang von “Holland“ (Nordseite) zu „Italien“ (Südseite) harmonisch gestaltet.

König Friedrich Wilhelm II. ließ dann durch Lenné den Platz umgestalten, das Bassin wurde stark verkleinert, dichte Baumreihen säumten es. 1875 wurde diese Wasserfläche dann völlig zugeschüttet, aus Gründen der Hygiene, „auf polizeyliche Anordnung“. Dazu noch mal Georg Hermann: „Der Bassinplatz hat sicher eingebüßt, seitdem er Platz wurde. Diese Gloriette war überall einst von Wasser umgeben, solche Art von Teehaus, wie man es in Holland liebt, in den Teichen der großen Besitzungen. Heute aber steht das Häuschen etwas vereinsamt und beziehungslos da, mitten auf dem Platz ……

Holländisches Viertel am Bassinplatz in Potsdam
Holländisches Viertel am Bassinplatz in Potsdam

Mein Blick wandert noch einmal vom Norden, vom Holländischen Viertel, zum Süden, wo heute statt der Barockfassaden Wohnbauten aus DDR-Zeiten stehen. Man hat sie nach der Wende postmodern verschönert; ob sie dadurch wirklich schöner wurden? Doch die Leute wohnen gern dort und das ist das Wichtigste.

Luftaufname vom Bassinplatz in Potsdam
Luftaufname vom Bassinplatz in Potsdam

Auf diesem Platz, das spüre ich jetzt, ist wenig natürlich und selbstverständlich gewachsen. Vieles erscheint künstlich. Ich spüre hier, wie oft in Brandenburg, diesen starken Willen, sich selbst, den Bewohnern und dem Land etwas abzuringen. Unter großer Anstrengung und gegen Widerstände. Den Willen, sich und seine Umwelt zu bilden und zu kultivieren. Wobei sich dann unbemerkt, neben dem Nützlichen und Zweckmäßigen auch Anmut und Leichtigkeit einstellen können…
Eben „…Utile cum dulci…“, Hermann Kremer

Carl Christian Philipp von Gontard

Carl von Gontard war ein bedeutender Architekt und Baumeister der spätfriderizianischen Zeit. Während seiner etwa 40-jährigen Schaffenszeit arbeitete er in Bayreuth, Potsdamund Berlin. Zu seinen bekanntesten Werken zählen vor allem Bürgerhäuser, aber auch Gartenstaffagen, Kolonnadenbauten, Brücken, Stadttore, Kirchen, Türme und Schlossbauten und Brunnenanlagen. Nur wenige seiner Bauten sind bis zur heutigen Zeit erhalten geblieben. Der Krieg hat viele Gontardsche Bauten zerstört, einige sind auch zu DDR-Zeiten einfach abgerissen worden.

  • 1731 geboren am 13. Januar in Mannheim
  • 1750 Gontard beginnt nach einer Ballettausbildung mit seinen Tätigkeiten am Hofbauamt in Bayreuth
  • Zwischen 1750 und 1753 Studienreise nach Paris, dort ist er Schüler von Jacques François Blondel
  • 1755 Gontard wird Hofbauinspektor
  • 1756 Aufstieg zum Ingenieur-Hauptmann, am 17. Mai heiratet Gontard in Bayreuth Martha Sophia Friederica Erckert
  • 1761 Berufung als Lehrer für Baukunst und Perspektive an die Akademie der freien Künste
  • 1764 Gontard verlässt Bayreuth und tritt in Potsdam in die Dienste von Friedrich dem Großen ein (König Friedrich Wilhelm II). Er übernimmt in Potsdam die Leitung des Baukontors.
  • 1767 Gontard erhält in Wien den Reichsadelsstand und heißt von diesem Zeitpunkt an „von Gontard“
  • 1771 schwere Krankheit im August
  • 1776 Tätigkeiten im Auftrage des Königs, auch in Berlin
  • 1779 Gontard wechselt nach Berlin
  • 1787 von Gontard erhält den Rang eines Majors
  • 1791 von Gontard verstirbt am 23. September in Breslau, sein Grab ist bis heute unbekannt

Nachfahren des berühmten Baumeisters leben noch heute als Bürgerliche und Adlige in Deutschland und Frankreich. Nach Überlieferungen der Familie stammen die Gontards ursprünglich von den Hugenotten aus Dephiné ab; sie gehörten dort zum angesehensten Adels Grenobles (Fick, 1997).

 

Ausgewählte Bauwerke Gontards in Potsdam

Das Brandenburger Tor in Potsdam ist eine Gemeinschaftsarbeit zwischen Gontard und seinem Schüler Unger gewesen. Die Stadtseite hat Gontard entworfen. Vorbild waren möglicherweise Entwürfe aus der französischen Metropole. Am Bassin werden Gontard viele Bürgerhäuser im Stil der holländischen Backsteinarchitektur zugeschrieben (Potsdam-Fotos 2 und 3). Es ist möglich, dass diese Häuser auf die in Gontards Adelsurkunde erwähnten Hollandreise zurückgehen, denn Backstein ist unumstritten ein typisches Baumaterial der niederländischen Architektur. Allerdings bleibt festzustellen, dass die Potsdamer Häuser von den holländischen Bauten abweichen. Sie wurden von Gontard „in die preußische Variante des Barock umgesetzt“ (Bohle-Heintzenberg 2002).

 

Das Drachenhaus auf dem Klausberg sollte den Winzern des nahegelegenen Weinberges dienen. Es stellt eine vierstöckige Pagode über einem achteckigen Grundriss mit konvex eingeschwungenen Seiten dar. Die unteren acht Eckpositionen wurden mit vergoldete Drachenfiguren dekoriert.

Der Freundschaftstempel wurde zur Erinnerung an die im Jahr 1758 verstorbene Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth gebaut. An den Säulen sind medaillonartige Bildnisse bekannter befreundeter Freundespaare angebracht. In der Mitte sitzt die Markgräfin mit einem aufgeschlagenen Buch.

Als Gontard die Bauleitung zum Neuen Palais übernahm waren die Planungen schon so weit fortgeschritten, dass er auf die Außenfassade kaum noch Einfluss ausüben konnte (Fick 2000). Seine Änderungsvorschläge zum Kuppelbau wurden abgelehnt. doch er konnte aus die seitlichen Bereiche des Gebäudes einwirken. Typisch für seinen Stil sind Pilaster und Säulen mit ornamentalem Dekor. Man findet sie auch im Marmorsaal des Neuen Palais, sie sorgen für eine strenge und kühle Ausstrahlung der Bauwerke.

  • Bürgerhäuser
  • Schlossanlagen in Bayreuth
  • Zahlreiche Wohngebäude in Bayreuth, z. B. Hofapotheke, eigenes Wohnhaus (heute Pfarrhaus der Schlosskirche), Potsdam und in Berlin
  • Militärwaisenhaus in Potsdam
  • Türme des Deutschen und Französischen Domes in Berlin
  • Rosenthaler Tor in Berlin
  • Kolonnadenbauten in Berlin wie die 1776 erbauten Spittelkolonnaden und die zwischen 1777 und 1780 entstandenen Königskolonnaden
  • Bauten im Potsdamer Park Sanssouci wie der Freundschaftstempel und der Antikentempel sowie im Neuen Garten das Marmorpalais.
  • 1787/88 Oranienburger Tor in Berlin
  • 1770 Stadtseite des Brandenburger Tors in Potsdam
  • 1766/68 evangelische St.-Bartholomäus-Kirche (bzw. Dreifaltigkeitskirche) in Bindlach zusammen mit Rudolf Heinrich Richter
Rot = Von Gontard / Blau = Architekt Ungers

 

 Am Bassin 3

Die Baugeschichte des Wohnhauses

Das Barockhaus Am Bassin 3 gehört zu einer Gruppe von zwölf gleichartigen Häusern, die zwischen 1773 und 1785 an der Westseite des Bassinplatzes gebaut wurden. Nach Recherchen von Bohle-Heintzenberg wurde Am Bassin 3 erstmalig im Jahr 1739 ein Haus gebaut, wahrscheinlich mit einem Haus mit Fachwerkbauweise. Der heute noch existente friderizianische Neubau entstand erst im Jahr 1783.

In den darauffolgenden Jahren erfuhr das Haus keine wesentlichen Eingriffe, das betrifft sowohl die Fassade als auch das Hausinnere. Die meisten Änderungen beschränkten sich auf den Austausch von Fensterrahmen und Türen. Allerdings wurden Wohnungsunterteilungen vorgenommen, einige Türen wurden zugesetzt, an anderen Stellen neue Türdurchbrüche geschaffen. Damit wurde die Raumabfolge verändert, inwieweit auch Grundriss-Änderungen betroffen waren, ist nicht geklärt.

Im 19. Jahrhundert haben die Besitzer Kochöfen und später Kochherde anstelle der offenen Feuerstellen eingebaut, später folgte auch der Einbau von Toiletten. Nach den im Jahr 1878 beginnenden amtlichen Bauakten wurde Haus Nr.3 im Jahr 1893 an die Kanalisation angeschlossen.

Im Jahr 2007 wurde die Sanierung des vierstöckigen Mietshauses mit dem „Holländergiebel“ in der Nähe des Holländischen Viertels abgeschlossen. Für diese Arbeit erhielt der Eigentümer, Dr. H. Kremer, im September 07 vom Land Brandenburg eine Anerkennung im Rahmen des Denkmalpreises 2007 für besondere Leistungen. In dem SPIEGEL-Artikel die „Reichen, Schönen und Mächtigen des Landes“ (Ausgabe Nr. 40 vom 1.10.07, S. 146-152) wird Herr Dr. Kremer wegen seines Engagements in Potsdam mehrfach erwähnt und zitiert. Auszüge aus der Publikation von A. Osang können auf dieser Seite eingesehen werden.

 

Wohnhaus Am Bassin 3, gezeichnet von Prof. Dr. Horst Römer, im Mai 2002
Wohnhaus Am Bassin 3, gezeichnet von Prof. Dr. Horst Römer, im Mai 2002

Die Nutzungsgeschichte des Wohnhauses Am Bassin 3

Zu den Bewohnern des Hauses Nr.3 zählten neben Handwerkern, die besonders im gesamten Areal des Bassinplatzes angesiedelt waren, später auch Soldaten. In der folgenden Aufstellung sind die nachvollziehbaren Hausbesitzer aufgelistet.

Das Wohnhaus Am Bassin 3, Potsdam im Sommer 2007
Das Wohnhaus Am Bassin 3, Potsdam im Sommer 2007

Dokumentierte Besitzer des heutigen Hauses Am Bassin 3

1783 – 1807, Johann Erdmann Fehder (Schäfer). Er bewohnte 25 Jahre lang den Neubau, 1764 hatte er das alte Haus für 720 Taler erworben

1807-1826/1827, Über den Eigentümer Gotthaus ist nichts bekannt

1826/1827-1849 (mindestens), C. Paul (Handelsmann)

1860-1887, Ehepaar Cronert (Schneidermeister)

ab 1888/89, Hermann Miehl (Steueraufseher), ab 1903 Adolf Miehl (Schlossermeister), wahrscheinlich der Sohn

1908-1964, Hermann Grunwald (Schneidermeister), ab 1949 seine Frau Mathilde Grunwald

1964, Das Haus wurde Eigentum des Volkes, Rechtsträger war VEB Kommunale Wohnungsverwaltung Potsdam

Mai 2001, Rosemarie Nitsche-Frosch, durch Rückübertragung, sie verkaufte es im selben Jahr

seit 2001, Dr. H.-A. Kremer, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe aus Haltern am See, NRW
(In 2007 Anerkennung vom Land Brandenburg für besondere Leistung bei der Sanierung des stätbarocken Bürgerhauses)

Mieternamen im Wohnungsanzeiger

Seit 1827 sind in dem eingeführten Wohnungs-Anzeiger Potsdams auch erstmals die Mieter der Wohnhäuser aufgeführt, zeitweise waren es acht Mieter. Mit dem Hauseigentümer wohnten also bis zu 9 Mietparteien. Die meisten anderen Häusern hatten durchschnittlich nur vier Mietparteien, damit lag das Haus Am Bassin 3 deutlich über dem Durchschnitt. Die acht Mieter setzten sich wie folgt zusammen: zwei Schuhmachermeister, ein Schneidermeister, ein Kanzleidirektor, zwei Witwen, ein Zimmer- und ein Maurergeselle.

Wenn der Eigentümer selbst auch im Haus Nr.3 gewohnt hat, standen jeder Mietpartei nur ein bis zwei Räume zur Verfügung. In dem Wohnungs-Anzeiger von 1842 und 1849 werdennur noch drei Mieter neben dem Eigentümer C. Paul genannt. Im Jahr 1842 waren die Mieter ein Schneidermeister, ein Möbelpolierer und eine Witwe, im Jahr 1849 ein Schneidermeister, ein Schuhmachermeister und ein Zahnbürstenfabrikant.

Renovierung des Hauses Am Bassin 3

Zehn Jahre lang war das Wohnhaus Am Bassin 3 unbewohnt. In einer einjährigen Sanierungsphase ließ der Eigentümer Herr Dr. H. Kremer aus Westfalen das Barockhaus nach wissenschaftlichen und denkmalpflegerischen Aspekten wiederherstellen. Im April 07 ziehen in die beiden unteren Etagen zwei Kulturvereine, der Museumsverband des Landes Brandenburg und der Verein Kulturfeste im Land Brandenburg e.V. ein. Das historische Ambiente des Hauses eignet sich durch seine Zentrale Lage für die zukünftigen Mieter ganz besonders, außerdem läßt sich die Büronutzung gut mit der früheren Wohnungsnutzung vereinbaren. Das zweite Stockwerk und das ausgebaute Dachgeschoss werden als Wohnraum genutzt.

 

 Am Bassin 10

Baugeschichte des Wohnhauses Am Bassin 10

Bei dem Haus Am Bassin 10 handelt es sich um eine fünfachsige Fassade. Die Aufzeichnungen zu dem Haus belegen, dass im Jahr 1892 der Schlachtermeister Carl Stünz die Erlaubnis erhielt, im Hintergebäude des Hauses ein Schlachthaus einzurichten. Ein Jahr später, 1893, ermöglichte der Eigentümer eine Durchfahrt durch die Mittelachse des Hauses. Dazu war im Flurbereich die Entfernung der Treppe notwendig. Aufzeichnungen über die erhaltene Genehmigung sind noch heute einsehbar (Bohle-Heintzenberg). 1894 wurde das Haus an die Kanalisation angeschlossen. Für die beiden Schaufenster und Geschäftseingänge liegen genehmigte Anträge aus dem Jahr 1942 vor.

IMG_5507 kl Am Bassin Visualisierung hell 038 Am Bassin 10 016 Das südliche Zimmer 032 An Schleifen hängendes Medaillon

„…..Auf diesem Platz, das spüre ich jetzt, ist wenig natürlich und selbstverständlich gewachsen. Vieles erscheint künstlich. Ich spüre hier, wie oft in Brandenburg, diesen starken Willen, sich selbst, den Bewohnern und dem Land etwas abzuringen. Unter großer Anstrengung und gegen Widerstände. Den Willen, sich und seine Umwelt zu bilden und zu kultivieren. Wobei sich dann unbemerkt, neben dem Nützlichen und Zweckmäßigen auch Anmut und Leichtigkeit einstellen können…
Eben ‚…Utile cum dulci…‘ „

Bel Etage

Die drei straßenseitigen Räume im 1. Obergeschoß bilden eine Enfilade.
Die bauzeitliche Erstfassung in allen drei Räumen wurde zufällig entdeckt und zeigt farblich aufeinander abgestimte Wandgliederungen mit Sockelzonen, rechteckig gerahmten Wadfeldern und Supraporten.
Diese spätbarocken Dekorationen sind in vielfäliger Form im höfischen Umfeld bekannt. Zum Beispiel im Tanzsaal des Neuen Palais befindet sich dies Dekor nicht nur gemalt, sondern als vergoldetes Schnitz-oder Bronzezierwerk ausgeführt. Medaillon Motive finden sich im Neuen palais als auch in den Neuen kammern und  in zeitgleich entstandenen Freundschaftstempel im Park.

Diese Befunde wurden nicht übermalt, sondern, es wurden nur Fehlstellen geschlossen.
Es wurde auch das  rautenförmige Tafelparkett in situ erhalten. Zudem wurden die  zehn vierflügeligen  Kreuzstockfenster mit den Sprosseneinteilungen wieder hergestellt, ebenso die barocken Türen mit Schnitzwerk sowie  der Blütenstuck einer Ofennische.

Mozart

Hier wohnte Mozart im Frühjahr 1789

„Potsdam ist ein teurer Ort und ich muss hier auf eigene Kosten zehren“, schrieb Mozart im Frühjahr 1789 an seine Frau Constanze. Zwei Jahre vor seinem Tod hatte sich Wolfgang Amadeus Mozart auf eine Reise in den Norden begeben. Er fuhr mit seinem Freund und Schüler, dem Fürsten Karl Lichnowsky. Dieser musste nach Berlin und bat seinen Lehrer, ihn zu begleiten. Dem ewig von Geldsorgen gebeutelten Komponisten war längst bekannt, dass Preußens König ein Musikliebhaber war, ja selbst ein guter Cello-Spieler. Auch wusste Mozart, dass Friedrich Wilhelm II. sich des öfteren lobend über den Compositeur aus der Kaiserstadt geäußert hatte.

Nach beschwerlicher Fahrt waren die Reisenden im April 1789 in Berlin eingetroffen. Da „Königs“ in ihren Schlössern in Potsdam weilten, setzte sich die Kutsche unverzüglich in diese Richtung in Bewegung. Mozart, der „sich beym Einpaßieren für einen Capell-Meister aus Wien angegeben hat“, wurde dem Herrscher vorgestellt, natürlich erst nach einem Tag des Wartens. Er durfte vorspielen. Was seine Majestät dazu sagen geruhten, ist nicht überliefert. Fest steht, dass Mozart beauftragt wurde, für die Prinzessin Friederike von Preußen sechs leichtere Klaviersonaten zu komponieren. Warum von diesen Sonaten später nur eine entstanden ist, seine letzte Klaviersonate nämlich im Juli 1789 in D-Dur, Köchelverzeichnis 576, ist nich ganz klar.

Er wohnte bei dem Waldhornisten Karl Türrschmidt am Bassinplatz und verkehrte als gern gesehener Gast in den Häusern namhafter Künstler.

Wo, am Bassinplatz? War es das Haus Nummer 10? Wir werden es möglicherweise nie erfahren. Sicher ist, dass Mozarts Hoffnungen finanzieller Art sich nicht erfüllten. Anfang Mai des Jahres befand er sich wieder in Leipzig, gab ein Konzert im Gewandhaus. Am 19. Mai kehrte er allein nach Berlin zurück. An diesem Tag wurde im Nationaltheater am Gendarmenmarkt „Die Entführung aus dem Serail“ aufgeführt. Unerkannt schlich sich Mozart in die Vorstellung. Der ebenfalls anwesende Johann Ludwig Tieck erblickte einen ihm unbekannten kleinen Mann: „rasch, beweglich und blöden Auges, eine unansehnliche Figur im grauen Überrock.“ Nach einer Zeit des Zuhörens ließ diese optisch so unattraktive Erscheinung es sich nicht nehmen, die Streicher des Orchesters lautstark anzublaffen: „Verflucht! Wolt’s Ihr D greifen!“ Nun erkannt, holte man ihn auf die Bühne. Am 26. Mai durfte das Genie, das wegen seiner überdimensionieren Nase von einer damaligen Zeitung einmal als „enorm benaster Mozart“ bezeichnet wurde, noch ein Konzert bei Hofe geben. Doch damit endete sein Berlin-Potsdamer Intermezzo.

 

 

Die Tafel über der Toreinfahrt des Hauses (Im Kulturportal Brandenburg der Märkischen Allgemeinen) weist auf die Geschichte des Hauses hin. Demnach hat sich der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart im Frühjahr 1789 (zwei Jahre vor seinem Tod) von Wien in den Norden nach Potsdam zum preußischen König Friedrich Wilhelm II begeben; ein Brief an seine Frau Constanze belegen diese Fahrt. Da Mozart sich in finanziellen Nöten befand hoffte er, beim Preußenkönig eine Anstellung zu bekommen. Ihm war bekannt, dass Friedrich der Große selbst ein guter Cello-Spieler war. Auch war Mozart zu Ohren gekommen, dass der König den Komponisten häufiger lobend erwähnt hatte. Fest steht, dass Mozart daraufhin den Auftrag erhielt, für die Prinzessin Friederike von Preußen sechs leichte Klaviersonaten zu komponieren. Von diesen entstand allerdings nur eine, warum ist nicht bekannt. Es ist seine letzte klaviersonate aus dem Juli 1789 in D-Dur, Köchelverzeichnis 576.

 

Dr. Kremer Lebenslauf

 

  • Geboren in Bottrop, Westfalen
  • Abitur ebenfalls in Bottrop
  • 1967: Medizinisches Staatsexamen
  • 1967 – 69: Medizinalassistent in der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen und im Marienhospital Bottrop
  • 1969 – 75: Assistenzarzt in der Univ. Frauenklinik in Bonn (Prof. Dr. Plotz)
  • 1974: Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
  • 1975: Hospitant bei Prof. Zinser in Köln zur Vertiefung der Zytologie.
  • 1976: Niederlassung in Haltern (Westfalen) als Frauenarzt, Beginn des zytologischen Einsende-Labors
  • 1977: Member of the International Academy of Cytology (MIAC)
  • 2004: Gründung der Potsdam Stiftung Kremer
  • 2005: Errichtung Museum Alexandrowka in Potsdam
  • 2010: Renovierung Gontard-Haus Bassinplatz in Potsdam
  • 2010: Aufgabe der Praxis und des Labors
  • 2011: Leitung Museum Alexandrowka, Bau der Ferienhäuser in Päwesin
  • 2012: Renovierung alte Ziegelei in Päwesin
  • 2012: Renovierung „Mozarthaus“ am Bassin 10 in Potsdam
  • 2017: Eintrag ins goldene Buch der Stadt Potsdam

 

Impressum

Impressum dieser Internetpräsenz

Herausgeber ist Dr. med. Hermann A. Kremer, Bahnhofstr. 12, 45721 Haltern am See (NRW),
Tel.: 02364 4000  • Fax: 02364 16 71 96 • E-Mail: hk@zyto-labor.de

Herkunft des Bildmaterials

Die Bilder stammen teilweise aus dem angebotener Download von der Seite www.sanssouci.de, weitere Bilddateien von Dr. H. A. Kremer, Dr. S. Meyer-Kahsnitz und Holger Herschel.

Grafische Gestaltung, Layout, Realisierung

DESIGNSTUDIO Ingo Förster
Althoffstr.15 , 12169 Berlin
Online: www.7dev.de